Krise in der Familie – Wie geht es nun weiter?

Krise in der Familie

Die Luft ist raus. Der Ofen ist aus. Der Drops ist gelutscht. Oder geben wir einfach viel zu leicht auf?

Oft hören wir von unseren Eltern oder Großeltern, dass man früher eine Ehe oder Familie nicht so leichtfertig weggeschmissen hat. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, ist es heutzutage auch eher einfach, einen Schlussstrich zu ziehen und jeder geht wieder seinen eigenen Weg. Es gibt genug Institutionen, die einen bei einer solchen Entscheidung unterstützen. Da ist es doch sehr reizvoll, den vermeintlich leichteren Weg zu wählen. Man muss nur kurz die Nummer des Scheidungsanwaltes wählen und schon hat man die passenden Papiere auf den Tisch liegen. Doch ob es einem danach besser geht, sei mal dahin gestellt.

Und dann gibt es da auch noch unzählige Herausforderungen, mit denen man in der heutigen Zeit als Familie konfrontiert wird. Sei es die Trotzphase, die Einschulung, die Pubertät oder einfach eine hartnäckige Unstimmigkeit in der Ehe. Manche Dinge wirken so unendlich groß, dass man eigentlich nur noch aufgeben möchte. Die eigene Kraft schwindet immer mehr und man sieht sich am Ende seiner Möglichkeiten angekommen. Doch es lohnt sich zu kämpfen und es gibt viele Wege, die uns wieder aus einer Krise herausführen können. Man muss diesen Schritt nicht alleine gehen. Sondern Gemeinsam. Als Familie.

Kommunikation als A und O der Partnerschaft

Das wichtigste ist, wie so oft, dass man miteinander spricht. Wenn man sich als Paar über schwierige Themen austauscht und so einen gemeinsamen Nenner findet, kann man seinen Standpunkt auch gegenüber allen weiteren Familienmitgliedern glaubhaft vertreten. Das gibt Kindern ein Gefühl von Sicherheit, wenn sie merken dass sich Ihre Eltern einig sind und harmonisch im Team miteinander arbeiten. Auch lernen Kinder so von Ihren Eltern, die eigenen Bedürfnisse klar zu äußern und sich nicht zu fürchten Ihre Ver- und Belangen mitzuteilen. Das ist extrem wichtig für Ihre Zukunft und natürlich auch, für das Zusammenleben. Nur wenn man mit seinem Gegenüber spricht, kann derjenige verstehen, was in einem vorgeht. Gedanken lesen können leider nur die wenigsten unter uns. Wenn man von klein auf lernt, dass Kommunikation eines der essenziellsten Dinge in Beziehungen ist, kann uns das vieles in unserem Leben erleichtern. In allen Bereichen.

Freunde als Übersetzende Gesprächspartner

Wenn man aber das Gefühl hat, dass die eigenen Worte schon lange nicht mehr bei der Familie ankommen oder immer falsch ankommen, kann es sinnvoll sein, sich Unterstützung von Freunden zu holen. Es ist eben etwas anderes, wenn jemand der nicht selbst betroffen ist, mit uns über unsere Probleme spricht. Derjenige kann neutral auf die Situationen eingehen, sich alle Seiten anhören und so versuchen zu schlichten. Er entdeckt wahrscheinlich Dinge, die wir gar nicht wahrnehmen. Eventuell ist das was wir sagen wirklich schlecht formuliert, sodass es bei unserem Gegenüber nur falsch ankommen kann. Oder erwarten wir zu viel von unseren Kindern und merken es nicht?

Ist es sinniger andere Worte zu wählen, die besser verständlich sind? Erkläre ich vielleicht einfach zu wenig? Dinge, die wir im Kopf haben genauso an unser Gegenüber weiterzugeben, kann schnell in die Hose gehen. Viel zu oft wird vieles das wir sagen, völlig anders verstanden und kommt dann natürlich auch anders an, als wir uns das erhoffen. Dann ist es doch leichter, außerhalb der Streitsituation und mit einer uns vertrauten Person zu sprechen. Ein guter Freund kann dann dem Streitpartner auch gut übersetzen, was wir denn eigentlich sagen möchten.

Familienberatungsstellen

Bei einem akuten Problem, wie zum Beispiel Lernfaulheit oder „Null-Bock-Phasen“ kann auch eine einmalige professionelle psychologische Beratung schon viel erreichen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten sich bei Familienberatungsstellen vorzustellen und dort gemeinsam nach einer Lösung zu schauen. Oft bieten, zum Beispiel, Kirchen so eine Möglichkeit an. Nach einer Terminvereinbarung geht man entweder alleine oder mit allen Streitbeteiligten Personen zu einem persönlichen Gespräch. Das fachkundige Personal hilft dann, nach Lösungen zu schauen.

Auch ist es möglich anonym bei einer Hotline all seine Sorgen loszuwerden und Tipps zu erhalten. Das kann eine gute Variante sein, wenn die persönliche Hemmschwelle oder die Scham zu groß ist, seine Identität Preis zu geben. Man muss kein Blatt vor den Mund nehmen und kann offen und ehrlich über alle belastenden Dinge sprechen ohne sich zu outen. Meist fällt es viel einfacher, mit einer völlig fremden Person über seine tiefsten Ängste und Sorgen zu sprechen, als mit einer bekannten Person. Anonymität gibt Mut. Und da man nichts von sich erzählen muss, das man nicht möchte ist das wahrscheinlich die einfachste Variante, vor der sich niemand scheuen muss.

Paartherapie / Familientherapie

Wenn ein Problem aber schon so tief sitzt, dass eine einmalige Sitzung oder ein Gespräch nicht die Lösung bieten können führt kein Weg an einer gemeinsamen Therapie vorbei. Und das ist nichts wofür man sich schämen muss. Es ist eher etwas, das von extremer Stärke zeigt. Nur wer sich seiner Schwächen bewusst ist, schafft es sich Hilfe zu holen. Bei einer Therapie lernt man verschiedene Lösungsansätze kennen und findet zusammen heraus, welcher Fahrplan der richtige sein kann. Und keine Angst, es wird Niemanden der schwarze Peter zu geschoben, sondern ganzheitlich geschaut, was an der gesamten Situation schief läuft. Auch wird sich so ausgetauscht, dass jeder zu Wort kommt und der Therapeut die Gespräche führt und leitet. Niemand muss Angst haben, nicht gehört zu werden oder das ein Anderer bevorzugt wird. Es ist ein professionelles Konzept mit rotem Faden, an dem man sich entlang hangelt. Da die Termine regelmäßig stattfindet, ist es ein gutes langfristiges Konzept, um dauerhaft an Familienkrisen zu arbeiten.

Aufgeben ist (k)eine Option

Wenn alle Stricke reißen oder schon gerissen sind, dann ist tatsächlich auch Aufgeben eine Option. Doch wenn wir ehrlich sind, lohnt es sich zu kämpfen. Nichts ist schöner, als ein intaktes Familienleben. Man hat sich doch bewusst für genau die Person entschieden, mit der man zusammen lebt. Es gibt immer Höhen und Tiefen und ein Leben mit mehreren Menschen ist nie einfach nur einfach, da viele starke und unterschiedliche Charaktere aufeinander treffen können. Doch wenn man sich nicht scheut, eventuell auch externe Hilfe anzunehmen, dann schafft man es Gemeinsam aus der Krise wieder heraus. Als Familie. Als Gemeinschaft. Und danach ist der Zusammenhalt mit Sicherheit noch viel stärker als davor.

Über Christian 47 Artikel
31 Jahre alt, gebürtig aus Cuxhaven und bekennender Kaffeejunkie :-). Viel Spaß beim Stöbern!